Cool Climate Classics – Größen des Vin Naturel
Domaine Jean-Francois Ganevat

12.04.2017

Jean-Francois Ganevat (genannt Fan-fan) ist ein Jura-Urgestein. Seit 1650 ist seine Familie in der kleinen Siedlung La Combe nahe Rotalier ansässig. Bis in die 1970er Jahre hinein produzierten die Ganevats hier neben Wein auch Comté aus der Milch ihrer eigenen Montbeliard-Kühe. Fan-fan half seinem Vater bei der Arbeit im Weinberg, bevor er sich 1989 entschloss seinen eigenen Weg zu gehen und ein Önologie-Studium im rund eine Autostunde entfernten Beaune anzutreten. Nach dem Studium blieb er zunächst für einige Jahre im Burgund. Während dieser Zeit arbeitete er unter anderem als Kellermeister für die Domaine Jean-Marc Morey in Chassagne-Montrachet. 

Bereits früh begeisterte sich Ganevat für die Idee, Weine so naturnahe wie möglich zu erzeugen. In besonderem Maße inspirierten ihn dabei die Kreationen von Winzerpersönlichkeiten wie Leon Barral und Philippe Pacalet. Eine Faszination, die ihn nicht mehr losließ und schließlich veranlasste, 1998 in das heimische Jura zurückkehren. Hier, auf dem elterlichen Weingut, tüftelte er fortan an der Umsetzung seiner Vorstellung von naturnahen Weinen. Heute, 15 Jahre danach, zählt Ganevat zu den wichtigsten Verfechtern der Weinbautraditionen des Jura. Ähnlich wie Etienne Thiebaud oder Raphael Monnier, setzt er sich aktiv für den Erhalt vieler traditioneller und heute leider vor dem Aussterben bedrohter Rebsorten des Jura ein. So produziert Ganevat eine Rotwein-Cuvée names J’en Veux!!!, die  aus 18 autochthonen Rebsorten des Jura besteht. Die meisten davon sind heute kaum noch zu finden.

Die Domaine Ganevat bewirtschaftet 8,5 ha Rebfläche. Unmittelbar hinter den Häusern von La Combe, am Fuße einer steilen Felsabbruchkante, befinden sich einige ihrer wichtigsten Weinberge. Wie etwa Les Chalasses, mit rund 4 ha Gesamtfläche die größte zusammenhängende Parzelle der Domaine. Auf ihren blauen Mergelböden (marnes bleus) wachsen ur-alte Rebstöcke, die im Jahre 1902 gepflanzt wurden! Sie liefern extrem niedrige durchschnittliche Hektarerträge von 15 hl (nur zum Vergleich: die AOC-Regeln für Grands Crus der Bourgogne schreiben Maximalerträge von 35 hl/ha vor!). Oder der benachbarte Wingert Grandes Teppes, ein rund 2 ha umfassender Weinberg, bestockt mit Reben aus dem Jahr 1919. Hier herrschen rötliche Mergelböden vor, die durchsetzt sind von kleinen Kieselsteinen. Eine von Ganevats „jüngeren“ Parzellen ist der 1960 angelegte, 1,8 ha große Grusse en Billat mit seinen reinen Schieferböden. Parzellenübergreifend produziert Ganevat jedes Jahr insgesamt 35 bis 40 verschiedene Cuvées. Eine enorme Menge!

Wie bei den meisten nach biodynamischen Grundsätzen arbeitenden Winzern legt auch Fan-fan hier den Fokus seiner Arbeit klar auf den Weinberg. Im Keller wird so selten wie nur möglich interveniert. Die Trauben werden nach der manuellen Ernte von Hand entrappt. Zum Pressen kommen sie in eine alte Korbkelter. Die anschließende Fermentation erfolgt in der Regel in hölzernen Gärgebinden, in denen sowohl offene Maischegärungen, als auch Fermentationen unter Sauerstoffausschluss möglich sind. Bei der Umwandlung von Zucker zu Alkohol kommen ausschließlich indigene Hefen zum Einsatz. 

Es folgt ein meist langer Ausbau auf der Vollhefe in den relativ warmen Kellern der Domaine. Seine Weißweine baut Ganevat für mindestens zwei Jahre in Holzfässern verschiedener Größe aus. Die rare Cuvée Les Vignes de Mon Père verbleibt sogar über 11 Jahre (!) im Fass. Bei den Rotweinen beträgt die Ausbauzeit mindestens ein Jahr. Die mariage der Cuvées erfolgt stets einen Monat vor der Abfüllung in einem großen uralten Holzbottich. Grundsätzlich werden die Rotweine des Hauses ohne den Zusatz von Schwefel erzeugt. Lediglich bei einigen seiner Weißwein-Cuvées behält sich Ganevat bei der Abfüllung eine minimale Schwefelgabe vor. Die Abfüllung sämtlicher Weine erfolgt stets ohne vorherige Schönung oder Filtration.