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Clos Cristal

Clos Cristal

Saumur-Champigny ist bekannt für Cabernet Franc-dominierte Rotweine. Weltklasse Erzeuger wie beispielsweise Clos Rougeard sind hier beheimatet. Doch die lokale Rotweintradition reicht bei weitem nicht so weit zurück wie es auf den ersten Blick scheint. Noch Anfang des 20. Jahrhunderts war die Anbauregion ausschließlich für ihre Weißweine bekannt. Ein Mann hatte maßgeblichen Anteil daran, dass sich der Cabernet Franc hier durchsetzte. Der Textilunternehmer Antoine Cristal hatte bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts damit begonnen, in der Region rund um Saumur Wein zu produzieren. Inspiriert von den Weinen des Bordelais ließ er in den 1920er Jahren südlich von Champigny einen komplett umfriedeten Weinberg anlegen, der ausschließlich mit Rotweinreben bepflanzt wurde. Ein Vorhaben, das sich als visionär herausstellte. Bereits die ersten Jahrgänge des „Clos Cristal“ verdienten sich Frankreich-weit hohe Anerkennung. 1928 beschloss Antoine Cristal das Weingut 91-jährig den Hospices de Saumur zu überlassen, in deren Besitz es sich noch heute befindet. 

Die lockeren und kargen Sandböden von Clos Cristal liegen auf einem Unterboden aus massivem Sandstein. Sie speichern besonders gut die Sonnenwärme des Tages. Die Besonderheit des Terroirs resultiert aus den Mauern, die den rund 10 ha großen Clos umspannen. Sie verhindern das Einziehen von kühler Luft in Weinberg, sobald die Sonne untergegangen ist. Beim Anlegen des Weinbergs hatte sich Cristal zudem einen besonderen Trick einfallen lassen. Im Inneren des Clos ließ er mehrere Quermauern ziehen. In diese rund 60 cm dicken Mauern wurden auf mittlerer Höhe in regelmäßigen Abständen Löcher gesetzt. Dort hindurch wurden dann die Reben gesteckt und ihre Triebe nach Süden hin ausgerichtet. Der Stock und die Wurzel hingegen verblieben auf der kühleren nördlichen Seite der Mauer. Dieses Verfahren sollte zu idealer Traubenreife führen, ohne die Reben übermäßigem Hitze- und Trockenstress auszusetzen.

Antoine Cristal war auch in anderer Hinsicht ein Visionär. Er lehnte den Einsatz von chemischen Hilfsmitteln bei der Erzeugung von Wein sowie das Aufzuckern des Mostes strikt ab. Seine Trauben sollten ihre perfekte Reife auf natürliche Weise erreichen und somit Konzentration und Dichte in den Wein bringen. Eine Philosophie, die noch heute von den Verantwortlichen bei Clos Cristal geteilt wird. Im Jahr 2001 hat Betriebsleiter Eric Dubois das Weingut offiziell auf eine streng biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Seit einigen Jahren werden außerdem zur Bewirtschaftung der Weinberge ausschließlich Pferde eingesetzt. Große Maschinen sucht man hier vergebens. Auch die Lese erfolgt komplett manuell.

Unter den Weinbergen und den Häusern von Clos Cristal befinden sich weitläufige Natursteinkeller, in denen früher Troglodyten hausten. Noch heute sind in den Nischen des Kellers ihre ehemaligen Feuerstellen zu erkennen. Das Klima hier unten ist perfekt für die Erzeugung und Lagerung von Wein. So werden die größten Kellerräume heute auch dementsprechend genutzt. Die weit verzweigten Gänge zwischen den einzelnen Kellergewölben beherbergen zahlreiche Holzfässer. Hier reifen die Weine des Hauses bis zu ihrer Abfüllung heran. 

Eric Dubois versucht seine Weine so naturnah wie möglich zu erzeugen. Er verzichtet sowohl auf chemische und synthetische Hilfsmittel jeglicher Art, als auch auf das Zusetzen von SO2. Die frisch geernteten Trauben werden lediglich nach der Ankunft im Weingut mit Minimalstmengen an SO2 behandelt, bevor sie angequetscht und schießlich gepresst werden. Nach dem sanften und langsamen Pressen der Trauben wird der Most mittels der Gravitation in den Keller gebracht. Hier gärt er anschließend über mindestens 15 Tage. Reinzuchthefen kommen generell nicht zum Einsatz. Nach Abschluss der alkoholischen Gärung werden die Rotweine in gebrauchte Barriques oder 600 L fassende Demi-Muids verbracht. Hier machen die Weine die malolaktische Gärung durch und reifen über insgesamt 12 bis 24 Monate zu fertigen Rotweinen heran. 

Neben einem generischen Saumur-Champigny aus Trauben, die innerhalb des Clos gelesen wurden, produziert Clos Cristal einen separaten Wein aus den Trauben der Rebstöcke entlang der insgesamt rund 3 Kilometer langen Quermauern. Von diesem Les Murs genannten Wein werden jährlich nur rund 3000 Flaschen produziert. Die hier entstehenden Beeren besitzen zum Zeitpunkt der Lese in der Regel eine höhere Reife und sind leicht rosiniert (siehe Bild). Durch die intensive Einwirkung der Sonne werden ihre Inhaltsstoffe auf natürliche Weise konzentriert, was in einem kraftvolleren und kompakteren Wein resultiert. Zusätzlich zum Les Murs füllt Eric Dubois jedes Jahr mit der Cuvée Boutifolle einen Einzellagenwein ab („Boutifolle“ ist der alte Lagenname des Clos Cristal), den er in gebrauchten Barriques ausbaut. Hierbei handelt es sich um den raren Spitzenwein der Domaine, der mit Kraft und Eleganz zugleich zu überzeugen weiß. Darüber hinaus produziert Clos Cristal jährlich auch eine kleine Menge Weißwein aus der Chenin Blanc Traube (2013 betrug die Menge lediglich ein 600L Fass).