Alex Bain
Alex Bain Terroir 1
Alex Bain Terroir
Alex Bain Foudre

Domaine Alexandre Bain

Anfang Februar blickte ich morgens aus dem Fenster meines Hotelzimmers in Sancerre. Dabei kam mir wieder einmal der Gedanke, welch große Ähnlichkeit die Weinberge hier mit denen des benachbarten Burgunds aufweisen. Das gilt insbesondere für die Weinberge rund um Chablis. Und doch besteht ein gravierender Unterschied: Sancerre und Pouilly-Fumé sind Sauvignon Blanc-Land, während die Signaturrebsorte des Burgunds natürlich Chardonnay ist. Vor allem stilistisch gesehen sind die Unterschiede manchmal jedoch marginal.

Alexandre Bain ist einer der Winzer in der Region, dessen Weine durchaus burgundisch anmuten. Obwohl sich seine Weinberge innerhalb der Appellation Pouilly-Fumé befinden, einer der weltbekanntesten Anbauregionen für Sauvignon Blanc, wollen sie nicht so recht in das heutzutage gängige Profil der Rebsorte passen. „Normalerweise kann ich Sauvignon Blanc nicht ausstehen“ gesteht er bei unserem Besuch auf seinem Weingut in Tracey-sur-Loire. Dies liege vor allem an den grünen, vegetabilen und leider oft eindimensionalen Aromen, die so viele Sauvignons länderübergreifend ins Glas brächten.

In seinen ersten Jahren als Winzer erntete Bain seine Trauben sehr spät, um seinen Weinen zu reiferen Aromen zu verhelfen. Ein Vorgehen, von dem er sich heute wieder weitgehend verabschiedet hat. Auf der Suche nach einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Mineralität und Säure beschloss er doch, seine Trauben wieder früher, zum Zeitpunkt der optimalen Reife, zu lesen. Dennoch weisen Alexandres Weine auch heute keineswegs das moderne grasig-grüne Katzenpipi- und Stachelbeerprofil eines Allerwelts-Sauvignon auf. Nein, sie sind bewusst anders. 

2007 startete Alexandre Bain sein eigenes Weingut. Aktuell vinifiziert er folglich seinen achten Jahrgang. Schon sein Großvater hatte in der Gegend Wein angebaut, dies allerdings im Rahmen der damals hier üblichen Mischbetriebe. Alex konnte Teile der Weinberge übernehmen und seine Rebflächen durch gezielte Zukäufe auf heute rund 9 ha ausweiten. Den überwiegenden Teil dieser Zukäufe erhielt er von einem größeren, konventionell arbeitenden Betrieb. Da für Bain nur eine naturnahe Form der Landwirtschaft in Frage kam, überführte er diese Weinberge sofort in die Umstellung  auf biologischen Weinbau. 

Inspiriert von seinem Mentor Mathieu Coste arbeitete Bain von Beginn an unter strengem Verzicht auf chemische und synthetische Hilfsmittel. Auch Kupfersulfit kommt nur in Ausnahmesituationen zum Einsatz. Stattdessen machte er sich früh einige Erkenntnisse der Biodynamie zunutze. So verwendet er unter anderem die Steiner’schen Präparate 500 (Hornmist), 501 (Hornkiesel), 502 (Schafgarbe) und 507 (Baldrian). Den Mondphasen und ihren Bedeutungen für die Pflanzen misst Alex ebenfalls erhöhte Bedeutung bei. Größere Interventionen im Weinberg nimmt er beispielsweise ausschließlich in Phasen abnehmenden Mondes vor.

Gemeinsam mit seinem Freund Sebastien Riffault ist er zudem Mitglied in der Winzervereinigung AVN. Riffault war es auch, der Bain darauf brachte, seine Weingärten ausschließlich mit dem Pferdepflug zu bewirtschaften. Alex tüftelt stets an seinen Pflügen, mit denen er – und sein Pferd Phénomèn – mindestens zweimal jährlich sämtliche Böden in den Weingärten der Domaine umschichtet. Die durchschnittlich rund 7.000 Pflanzen pro Hektar sind mit einem Pflanzabstand von 1,1m und in einem Reihenabstand von 1,3m gesetzt. Für einen Traktor wäre hier ohnehin kaum ein Durchkommen.

Beinahe alle Weinberge liegen in unmittelbarer Laufdistanz zum Weingut. Direkt hinter dem Haus der Familie Bain befindet sich eine 3ha große Parzelle junger Sauvignon Blanc Reben. Diese wachsen auf  Kalkböden aus dem Portlandium (heute Tithonium genannt) mit einer recht dicken, nährstoffreichen Humusauflage. Hier entsteht Alexandres Einstiegswein La Levée (zuvor Spring). Südlich der kleinen Ortszufahrtsstraße liegen die meisten der übrigen Parzellen der Domaine. Auch hier überwiegt Portlandium-Kalk. Generell bekommen die Reben hier das meiste Sonnenlicht ab. Die Reben stehen auf gut aufgelockerten, mit vielen Steinen durchsetzten Böden. Ihre Trauben fließen jedes Jahr in Bains wichtigste Cuvée Pierres Precieuses ein. Einige Reben hier stehen auf älteren Kalkformationen aus dem Kimmeridgium (ähnlich wie in den Weinbergen von Chablis). Die Unterböden hier sind etwas kompakter und nährstoffreicher, dadurch jedoch auch aufwendiger zu bewirtschaften. Bain vinifiziert die betreffenden Parzellen separat zu  seiner Spitzencuvée Mademoiselle M.

Bei bei der Laubarbeit geht Alex ebenfalls äußerst bedacht vor. Seine Reben erzieht er in Guyot Poussard, mit zwei Trieben links und rechts von Stock und Wurzel. Damit zieht er die Pflanze in die Breite, während die Triebe unmittelbar oberhalb der Wurzel für eine bessere Durchlüftung kurz gehalten werden. Zudem hält Bain seine Reben enorm niedrig. Dies sorgt für einen besseren Schutz vor Spätfrösten, verbessert die Photosynthesewirkung und sorgt für ein gleichmäßigeres Ausreifen der Trauben. An den beiden Haupttrieben entfernt er zudem nicht das letzte Auge, da er dieses für das „Gehirn des Triebes“ hält. Allein dieser Schritt verursacht pro Hektar 200 zusätzliche Arbeitsstunden.

Wie viele Winzer überall in der Region hat auch Alex große Probleme mit der Pilzkrankheit Esca. Anstatt jedoch die befallenen Stöcke zu entfernen hat er sich frühzeitig dafür entschieden, das betroffene Holz herauszuschneiden und die Pflanze nach dem Eingriff im Weinberg zu belassen. Nach eigenen Angaben erzielt er bei der Rettung der Pflanzen damit eine über 40%ige Erfolgsquote. Verluste ersetzt er durch eigene Stecklinge aus eigener selection massale, die er direkt auf die Wurzel der abgestorbenen Pflanze setzt. 

Bei Ermittlung der optimalen Reife seiner Trauben behält Bain – wie so viele naturnah arbeitende Winzer – hauptsächlich die Farben der Blätter im Auge. Ist die Frucht reif, verlieren diese häufig an Farbintensität, werden blasser und matter. Da Alex mit einem Anteil von 5-10% edelfaulen Trauben arbeitet, erntet er nach wie vor Teile seiner Trauben bewusst spät.

Die Ernte erfolgt stets und ausschließlich manuell. Alexandre und seine Helfer lesen die Trauben zunächst in Körbe. Diese werden dann zum Weingut gebracht und als ganze Trauben in einer pneumatischen Kelter bei 1,6 Millibar Druck besonders langsam (4 Stunden pro Pressgang) und schonend gepresst. 

Anschließend wird der Most in Edelstahltanks vergoren. Most und Wein werden dabei nur durch die Gravitation bewegt. Pumpen kommen nicht zum Einsatz. Vergoren wird ausschließlich mit natürlichen Hefen. Nach Abschluss der Gärung baut Bain seine Weine in Holzfässern verschiedener Form und Größe aus. Neben 1200L Fässern eines italienischen Produzenten kommen auch gebrauchte piéces aus dem Burgund sowie alte Bierfässer aus dem Jahr 1945 zum Einsatz. Bain verwendet grundsätzlich gerne Holz, will seinen Weinen damit das Rüstzeug zu geben, um der Oxidation etwas entgegenzustellen. 

Nach Abschluss der alkoholischen Gärung durchlaufen sämtliche Weine auch die malolaktische Gärung. Bain versucht grundsätzlich, bei der Erzeugung seiner Weine die Verwendung von SO2 so gering wie möglich zu halten. Nur bei Weinen mit spürbarer Restsüße setzt er bei der Abfüllung maximal 10mg/L zu. Die Cuvée Mademoselle M wird jahrgangsunabhängig stets ohne jeglichen Zusatz von SO2 abgefüllt. Auf die Filtration und Schönung seiner Weine verzichtet Alex ebenfalls grundsätzlich.