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Domaine La Grange aux Belles

Marc Houtin war in seinem früheren Leben als Geologe für eine Ölfirma tätig. Aufgewachsen ist er in Angers. Schon früh entdeckte er seine Liebe für den Wein. Neben einigen lokalen Produzenten wie Patrick Baudouin faszinierte ihn besonders León Barral, der naturbelassene Weine im Faugères erzeugt.

2002 fasste sich Marc ein Herz und besuchte Barral auf dessen Weingut. Obwohl Houtin weder aus einer Winzerfamilie stammt, noch Weinberg, geschweige denn ein Gutshaus geerbt hat, war er fest entschlossen, dort so viel wie möglich über die Erzeugung von vins naturels zu lernen. Bereits ein Jahr zuvor hatte er sich für ein Önologiestudium in Toulouse eingeschrieben. Nun war es an der Zeit, sein altes Leben endgültig hinter sich zu lassen! 

Nachdem er aus dem Süden zurückgekehrt war kaufte Marc 2004 9,5 ha Rebflächen von einer Kooperative südlich von Angers. Obwohl zu diesem Zeitpunkt nur eine Handvoll Winzer im Anjou naturbelassene Weine kelterten, darunter heutige Größen wie Marc Angeli oder Jo Pithon, beschritt Houtin seinen Weg konsequent weiter. Er war damals sicher: die Überführung seiner Weingärten in die biologische Landwirtschaft ist ein Investment in die Zukunft. Und er sollte recht behalten: heute ist das Anjou eine der führenden vins naturels-Regionen Frankreichs.

Doch war es für Marc durchaus kein leichter Weg. Die Weinberge, die er von der Kooperative übernommen hatte, waren in einem bescheidenen Zustand. Die durchschnittlich 40 Jahre alten Reben hatten sehr unter der konventionellen Bewirtschaftung gelitten. Marc musste einen Teil von ihnen sogar durch Neupflanzungen ersetzen. In jahrelanger Arbeit rekultivierte Houtin die Weingärten und überführte sie Schritt für Schritt in die biologische Bewirtschaftung. 

Zu Beginn kümmerte sich Marc selbst um die Vermarktung seiner Weine. Vor allem der Kontakt zu lokalen Weinbars und Weinläden half dabei, die Domaine auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen. In dieser Phase probierte er auch im Keller viel aus und sammelte wertvolle Erfahrungen. Von Beginn an war es sein Ziel, in seinen Terroirs die bestmöglichen Weine zu erzeugen. Um dies zu erreichen, musste Houtin lernen, seine Eingriffe kontinuierlich zu reduzieren und für optimale Bedingungen in den Weingärten sorgen.

2007 bekam er dann Hilfe von seinem Freund Julien Bresteau. Gemeinsam gründeten sie die Domaine La Grange aux Belles. Im Anschluss weiteten die beiden die Rebfläche des Weinguts auf heute rund 14 ha aus. Gleichzeitig näherten sie sich einigen Methoden Rudolf Steiners an, ohne die Philosophie der Biodynamie vollständig zu übernehmen. So etablierten sie eine effektives System der Kompostwirtschaft, mit dem sie die von Natur aus eher kargen und erosionsanfälligen Böden der Region mit ausreichend Nährstoffen versorgen können. Gleichzeitig wendet Marc erfolgreich eine Methode der Bodenanalyse an, die von Yves Herody im Jura entwickelt wurde. Diese erlaubt es, punktgenau Rückschlüsse bezüglich ihrer Bewirtschaftung zu ziehen. Vor allem hinsichtlich der „Dynamisierung“ der Böden erwies sich diese Methode als äußerst wertvoll. So ist es möglich, die Pflanzen gezielt mit dem zu versorgen, was sie am dringendsten benötigen. Sie lassen zwischen den Reihen zudem einen intensiven Bodenbewuchs zu, um das natürliche Gleichgewicht in den Weingärten zu stärken und den negativen Auswirkungen einer Monokultur entgegenzuwirken. 

Ein Drittel der Weingärten der Domaine befinden sich teilweise rund um das vor ein paar neu errichtete Kellergebäude. Der Rest setzt sich auf eine Reihe von in der Region verteilten Parzellen zusammen. Jedes Jahr produziert die Domaine mindestens zehn verschiedene Cuvées. Häufig sind es sogar über 15. Ein Großteil der Produktion entfällt auf den Rotwein. Neben den in der Region weit verbreiteten roten Sorten Gamay, Grolleau, Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon haben Marc und Julien 2009 auch eine Parzelle mit der alten lokalen Pineau d’Aunis bestockt. Gemeinsam mit einer alten Parzelle, die sie 2012 übernehmen konnten verfügt die Domaine aktuell über rund 1 ha dieser im Verschwinden begriffenen Rotweinsorte. . Im Weißweinbereich sind Marc und Julien stark von den Weinen Richard Leroys beeinflusst. 2003, kurz bevor Marc seine eigenen Domaine gründete, besuchte er Leroy und bekam einige wichtige Tipps für den Umgang mit der Chenin Blanc. 

Die Lese der Trauben erfolgt immer rein manuell und in mehreren Durchgängen. Nach Ankunft auf dem Weingut werden die Trauben je nach Sorte entweder in einer Horizontal-, oder in einer Vertikalpresse gepresst. Sämtliche Weine werden spontan vergoren. Der Most für die Rotweine wird zunächst kohlensäuregemaischt und nach der Gärung in Edelstahl- und GFK-Tanks ausgebaut. Die Weißweine reifen hingegen in 600 L Holzfässern. Marc und Julien beziehen diese von verschiedenen Erzeugern, darunter auch der österreichische Familienbetrieb Stockinger. 

Die Weine werden bei Grange aux Belles stets ohne Filtration oder Enzymbehandlung und mit einem minimalen Anteil an zugesetztem Schwefel abgefüllt. Die Weine der Domaine sind natürlich, pur und elegant.