Coolclimate Urogallo Top

Dominio del Urogallo

Die Ortschaft Cangas del Narcea liegt im sogenannten „grünen Spanien“. Hier im Herzen der Sidra-Region Asturiens befinden sich noch einige der ursprünglichsten Weingärten Spaniens. In ihnen gedeiht ein wahrer Schatz an autochthonen und weitgehend unbekannten Rebsorten. Die lokale Weinbautradition reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück. Sie geht auf Benediktinermönche zurück, die an den Ufern des Narcea Flusses eine imposante Klosteranlage errichteten und die Weinbau mit sich brachten.

Der Region bietet, ungewöhnlich für Asturien, ideale Bedingungen für den Weinbau. Die Reben sind hier durch die umliegenden Hügel und Berge weitgehend vor kalten Winden geschützt. Gleichzeitig scheint relativ häufig und intensiv die Sonne. Auch die Niederschläge halten sich in Grenzen.

Während in der Zeit vor der Phylloxera-Katastrophe hier noch rund 5000 ha unter  Reben standen, waren es 1959 nur noch knapp 180 ha. Die Region schien buchstäblich von der Weinlandkarte verschwunden zu sein. Doch der Verfall setzt sich bis heute weiter fort. Gegenwärtig werden in Asturien nicht mehr als 70 ha Gesamtrebfläche bewirtschaftet. Auch den Status einer Denominacion de Origin (D.O.) hat die Region inzwischen verloren.

Dennoch tut sich etwas rund um Cangas. Der aus dem Toro stammende Winzer Nicolas Marcós verliebte sich in die Region. Die Geschichten über die alten Zeiten nahmen ihn gefangen. Die vielschichtigen Bodenformationen, die hochwertigen Terroirs und die enorm spannenden lokalen Rebsorten taten ihr Übriges. Als er 2009 die Möglichkeit bekam, ein frisch renoviertes Weingut samt Weinbergen zu übernehmen beschloss er, dem heimischen Toro den Rücken zuzukehren und asturischen Wein zu keltern.

Sein Weingut benannte er nach dem in den Bergen Asturiens heimischen Auerhahn –Urogallo. In zähen Verhandlungen mit den Einheimischen konnte sich Nicolas in der Folge eine Vielzahl kleiner Parzellen mit insgesamt 4,8 ha alten Reben sichern. Er begann sofort damit, diese in eine naturnahe Bewirtschaftung zu überführen. Für ihn der einzige Weg, die alten Stöcke und mit ihnen die Weinbautradition Asturiens zu bewahren.

Die Weingärten der Dominio del Urogallo befinden sich allesamt an den enorm steilen Hängen rund um Cangas. Hier wachsen die Reben auf äußerst vielschichtigen Böden mit Neigungswinkeln von bis zu 50%. Maschinen können hier gar nicht zum Einsatz kommen. Sämtliche Schritte im Weinberg erfolgen daher manuell. Von Beginn an verzichtete Nicolas auf den Einsatz von chemischen oder synthetischen Hilfsmitteln im Weinberg. Mittlerweile werden die Weingärten getreu biodynamischer Prinzipien bewirtschaftet. Folglich kommen ausschließlich pflanzliche Mittel und natürliche Dünger zum Schutz der Pflanzen zum Einsatz. Die Weingärten sind dem entsprechend intakt. 

Marcós vinifiziert die Parzellen mit den ältesten Reben individuell. Um die perfekte Reife der Trauben abzupassen setzt er dabei innerhalb einer Erntesaison bis zu sieben Lesegänge an. Die Ernte der Trauben erfolgt stets von Hand. Dabei wird jede Rebsorte separat gelesen.

Urogallos roter Basiswein trägt  den Namen La Fanfarria. Die Trauben für diesen Wein stammen aus mehreren Weingärten. Es handelt sich hierbei um eine Cuvée aus 50% Albarín Tinto und 50% Mencía. Vor der Spontangärung in Edelstahltanks werden die Trauben entrappt. Nach Abschluss der Gärung baut Nicolas LaFanfarria für 6-7 Monate in gebrauchten barriques aus.

In der Mitte der Qualitätspyramide stehen Pésico Blanco und Pésico Tinto. Ersterer ist ein reinrebsortiger Albarín, dessen Trauben aus drei verschiedenen Parzellen stammen. Dort wachsen die Reben auf sandigen Lehmböden mit Schiefereinschlüssen. Nach dem sanften Pressen der Trauben erfolgt die Spontangärung des Mostes in 300 und 500 L Holzfässern. Darin verbleibt der Wein anschließend über 13-15 Monate bei gelegentlichem Aufrühren der Feinhefe. Auf eine Filtration oder Schönung des Weins wird verzichtet. Pésico Tinto ist eine Cuvée aus den Rebsorten Verdejo Tinto, Mencía, Albarín Tinto, Carrasquín und Borracán. Der Reben für diesen Wein sind teilweise über 60 Jahre alt. Nach der manuellen Ernte werden die Trauben zunächst entrappt und spontan in einem 2000 L Edelstahlgebinde vergoren. Anschließend baut Nicolas den Wein für 13-15 Monate in gebrauchten barriques aus.

Der weiße Spitzenwein der Domaine trägt den Namen Las Yolas. Seine Trauben stammen aus verschiedenen Weingärten von 62 bis 130 Jahre alten Albillo-Reben. Nach der Handlese werden die ganzen Trauben in offenen Holzbottichen getreten. Anschließend setzt die Spontangärung ein. Nach Abschluss der Gärung verbleibt der Wein über 13-15 Monate in 300 und 500 L Holzfässern.

Einer der roten Spitzenweine ist der Retortoiro. Er stammt aus dem gleichnamigen Weinberg mit über 120 Jahre alten Reben. Diese wurzeln in Schiefer- und Anthrazitböden. Retortoiro ist eine Cuvée aus 70% Verdejo Tinto und 30% alten autochthonen Reben der Cangas-Region, die teilweise noch nicht ampelografisch katalogisiert wurden. Nach der Ernte der Trauben werden 60% von ihnen entrappt. Die anschließende Spontangärung erfolgt in einem alten 2500 L Kastanienholzbottich. Hierin durchläuft der Wein nach der Gärung auch den biologischen Säureabbau. Darauf folgt dann ein 13-15 monatiger Ausbau in gebrauchten barriques.

La Zorrina ist Marcós roter Topwein. Er besteht zu etwa 65% aus der lokalen Rebsorten Carrasquín. Sie besitzt dickere Schalen und benötigt dementsprechend lange zum Ausreifen. Alljählich ist La Zorrina der letzte Weinberg, in dem Nicolas und seine Helfer ernten. Die Reben hier sind über 130 Jahre alt. Neben Carrasquín wachsen hier auch ein paar Stöcke Furmint, Garnacha Tintorera und Cabernet Franc. Hinzu kommen etwa 20% nicht-katalogisierte Sorten. Alles steht im gemischten Satz. Nach der manuellen Ernte in mehreren Durchgängen maischt Marcós die ganzen Trauben samt Rappen in einem 2500 L asturischen Kastanienholzbottich ein. Nach Abschluss von Gärung und Malo wird La Zorrina über weitere 13-15 Monate in gebrauchten pièces ausgebaut.

Nicolas Marcós filtriert seine Weine nicht. Er verzichtet zudem auf die Schönung seiner Weine. Vor der Abfüllung setzt er den Weinen keinerlei SO2 zu. Durch den langen Hefekontakt erhalten sie Struktur und Stabilität, ohne dabei ihre Natürlichkeit, ihre Lebendigkeit und ihren Charakter zu verlieren. Auf diese Weise erzählen sie von einer Region, die fast vergessen war und die jetzt in neuem Glanz zu erstrahlen scheint.