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Henrik Möbitz

Henrik Möbitz ist Winzer aus voller Überzeugung und Leidenschaft. Im Hauptberuf arbeitet er als Chemiker, sieht jedoch das Weinmachen als ideales Mittel kreativen Schaffens. Seit er bewusst Wein trinkt, haben ihn besonders die Weine des Burgund und von der nördlichen Rhône fasziniert. Im Wein sucht er weder Kraft noch Extrakt. Ihm geht es vielmehr um Eleganz und Finesse, um Stimmigkeit und Typizität.

1996 begann Henrik damit, Wein zu produzieren. Zunächst in Kleinstmengen. Seinen Most vergor er in kleinen Glasballons in der heimischen Badewanne. Rasch entwickelte der Autodidakt ein gutes Gespür für Weinbau und Kellerarbeit gleichermaßen. Von Beginn an war er ein strenger Gegner der Chaptalisierung. Möbitz ist zwar durchaus auf der Suche nach Extrakt, nicht jedoch nach übermäßig hohen Alkoholwerten. 

Seine Lagen befinden sich mitten im Weinland Baden, am südlichsten Zipfel der Schönbergkette, einer dem Schwarzwald vorgelagerten Erhöhung. Hier, an den Hängen des Alten Ehrenstettener Oelbergs sowie dem ein Kilometer nördlich gelegenen Bollschweiler Steinberg gedeihen die Möbitz’schen Reben. Die Südseite des alten Oelbergs sowie große Teile des Steinbergs sind weit und breit die einzigen Stellen, an denen reine Jurakalkschichten aus tieferen Bodenschichten bis an die Oberfläche heranreichen. An den schroffen Abbruchkanten dieser Erhebungen entstanden äußerst vielseitige Bodenformationen, deren Charakteristika Henriks Weine auf faszinierend klare Art und Weise reflektieren.

Der Alte Oelberg wird bereits seit 800 n. Chr. für den Weinbau genutzt. Noch heute kann man die uralten Trockenmauern bewundern, die den natürlich terrassierten Weinberg stützen. Glücklicherweise fiel diese einzigartige Weinkulturlandschaft nicht der aberwitzigen Logik der Flurbereinigung zum Opfer. Heute steht das gesamte Areal unter Naturschutz.

Im Alten Oelberg bewirtschaftet Henrik Möbitz drei verschiedene Gewanne, die er jeweils separat vinifiziert. Im westlichen Teil des Hanges unterhalb einer kleinen Kapelle á la Hermitage befindet sich die gleichnamige Lage Kapelle. Hier herrschen enorm kompakte und stark kalkhaltige Böden vor. Es handelt sich um eine extrem trockene Lage, in der sowohl einige von Henriks langlebigsten Pinots Noirs entstehen, als auch seine hervorragenden Gewürztraminer Auslesen.

Die benachbarte Lage Kanzel kann mit Fug und Recht als das Filetstück des Alten Oelbergs bezeichnet werden. Die Kanzel stellt eine Art Felsdorn dar, dessen Ränder steil in das umliegende Tal abfallen. Die Ebene rund um den Alten Oelberg liegt etwa 150 bis 200 m über dem Meeresspiegel. Die Felswände der Kanzel ragen rund 60 m steil aus dieser empor. Die Kanzel ist ein Weinberg mit extrem kalkhaltigen Böden. Durch die sehr dünne Bodenauflage wurzeln die Reben hier mehr oder weniger direkt auf dem kargen Jurakalk.

Die ältesten Reben hier stammen aus dem Jahr 1969. Obwohl es sich um deutsche Klone handelt, wurden sie damals extra aus dem Elsass herangeschafft und dort gesetzt. Nachdem Möbitz die Parzelle übernahm, stellte er sukzessive auf eine Cordon-Erziehung um, die bei Reben mit höherem Alter die gesamte Wuchsaktivität aus dem Kopf heraus stattfindet! Der Umerziehungsprozess zog sich über ein Jahr hin. 2005 hat Möbitz damit begonnen, einige der alten Reben gegen jüngere burgundische Klone auszutauschen. Bis heute fenden deren Trauben jedoch noch keine Verwendung für die Weinproduktion. Bei der Wahl der Unterlage greift Hendrik stets auf Wurzeltypen mit geringer Wuchskraft zurück.

Oberhalb der Kanzel befindet sich die Lage Koepfle. Die Böden hier weisen einen höheren Eisengehalt auf, was den hier entstehenden Wein Struktur und Kernigkeit verleiht (durchaus vergleichbar mit den Weinen aus Pommard). Hier ist die Bodenauflage wesentlich dicker, sodass die Reben weniger vom Kalk beeinflusst sind. Koepfle ist am stärksten den teilweise recht strammen Nordwinden ausgesetzt und zählt daher zu den kühleren Lagen des Alten Oelbergs.

Viele Reben hier wurden erst 2006 gepflanzt. Bei seinen jungen Reben begrenzt Henrik den Ertrag auf nur 15-20 hl/ha. Für die Bestockung des Koepfle fanden Dijon Klone Verwendung, die von Jean-Yves Bizot per selection massale aus alten Reben im Clos Vougeot gewonnen wurden.  Mit ihren dickeren Schalen und insgesamt kernigerem Geschmack dienen ihre Trauben als „Strukturgeber“ für den Kanzel Pinot Noir. Rund 25% seiner Rebfläche sind mit Marienfelder bestockt.

Rund einen Kilometer weiter nördlich, in der Gemarkung Bollschweil, liegt der Steinberg. Die Böden dieses Weinbergs weisen ähnlich wie im Koepfle einen höheren Eisengehalt auf. Außerdem zeichnet sich die Lage durch ein deutlich kühleres Mikroklima aus. Daraus resultiert ein Wein mit kernigerer Tanninstruktur und ausgeprägterer Säurefrische. Vor wenigen Jahren entschied sich Henrik, sich voll und ganz auf die Terroirs des Alten Oelbergs zu konzentrieren und beschloss, seine Lagen im Steinberg abzugeben.

Die Reben im Alten Oelberg stehen in einer Art Mischkultur. Brombeer- und Schlehenbüsche wachsen zwischen den Rebzeilen, üppiger Bodenbewuchs und intaktes mikrobiologisches Leben sind hier zu finden. Hier gibt es viele brach liegende Parzellen, da viele der lokal ansässigen Winzer kein Interesse an der Bearbeitung der teilweise sehr steilen Hänge haben. Diese sind teilweise überwuchert und fungieren als Biotope natürlichen Weinbergslebens. 

Bei der Bewirtschaftung seiner Parzellen verfuhr Möbitz bislang nach einer „no till“-Strategie, er verzichtete also völlig auf das Umpflügen der oberen Bodenschichten. Da die Wuchskraft der älteren Reben jedoch auf natürliche Weise abnimmt, denkt er mittlerweile jedoch über eine Abkehr von dieser Strategie nach. Das Aufbrechen der Weinbergserde würde die dünnen Oberflächenwurzeln der Reben mit zusätzlichen Nährstoffen versorgen. Zudem würde dadurch die Sauerstoffversorgung der Mikroorganismen verbessert. 

Bei der Ernte erhält er jedes Jahr Unterstützung von 6-12 Freunden, die mittlerweile in der Kunst der Weinlese gut geschult sind. Minderwertige Trauben werden von ihnen direkt im Weinberg ausgelesen. Mit viel Akribie werden nur die qualitativ hochwertigsten Trauben für die Weiterverarbeitung herausgesucht. Auf diese Weise erntet jeder Helfer etwa 10 kg Trauben pro Stunde.

Sein Keller befindet sich in einer alten Mühle am Fuße des Ölbergs. Tatsächlich liegt der Keller im alten Mühlbach selbst (das Mühlrad war an der linken Wand des Raums angebracht). Gepresst wird in einer kleinen Korbkelter. Anschließend werden sämtliche Weine spontan in Edelstahltanks vergoren. Seine Holzfässer lässt Henrik von einem lokalen Küfer anfertigen. Das Holz hierfür stammt aus dem Schwarzwald. Möbitz verwendet generell nur minimale Mengen an SO2. Er verzichtet gänzlich auf chemische und synthetische Hilfsmittel, im Weinberg und im Keller.

Möbitz nähert sich immer stärker der naturnahen Produktionsweise an. So filtriert er nach der Gärung nicht – d.h. die Weine klären sich auf natürliche Weise mittels der Gravitation. Henrik baut seine Weine mit so wenigen Abstichen wie möglich aus. Nach Abschluss der Gärung werden sie kaum bewegt, damit sie lange und ungestört auf der Feinhefe liegen können. Der biologische Säureabbau erfolgt in der Regel im März oder April. Pumpen sucht man im Hause Möbitz vergeblich. Indes hat Henrik in seinen Keller einen kleinen „Fassaufzug“ eingebaut, mit dem er die Fässer anheben und mit  Hilfe der Schwerkraft entleeren kann! Seit jeher werden Henriks Weine vor der Abfüllung weder geschönt, noch filtriert.

Obwohl es sich beim Alten Oelberg um eine sehr trockene Lage handelt gab es hier dieses Jahr enorme Niederschlagsmengen zu verzeichnen. Allein im Juli 2014 fielen innerhalb von wenigen Tagen bei monsunartigen Regenfällen durchschnittlich rund 300 L auf den Quadratmeter. Dies sorgte für verhältnismäßig heftige Ausbrüche von Oidium in den oberen Bereichen der Laubwände. Wie den meisten Winzern in Europa, machten Henrik außerdem die Kirschessigfliegen enorm zu schaffen. Zum Zeitpunkt unseres Besuches stürzten sie sich insbesondere auf die aromatischen Gewürztraminer-Trauben, sodass Henrik tatsächlich um seine Ernte fürchten musste. Trotzdem bezeichnet er die Qualität des Jahrgangs als gut. Die Ernte ist „reichlich“ und die Trauben dicht und qualitativ hochwertig.