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Weingut Carl Koch

Zwischen Mainz und Worms, im größten deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen, liegt das Städtchen Oppenheim. Hier, am westlichen Ufer des Rheins, befinden sich einige der hochwertigsten Lagen des Landes. In unmittelbarer Nähe zur Metropolregion Rhein-Main gelegen, ist von den Hängen der halbkreisförmig um Oppenheim angeordneten Weinberge die Silhouette der Frankfurter Skyline deutlich zu sehen.

Oppenheim ist ein Ort mit großer Weinbautradition. Leider befindet er sich gegenwärtig weitgehend im önologischen Tiefschlaf. Und das, obwohl Oppenheim über Lagen mit großem Potential und äußerst vielseitigen Terroirs verfügt. Die Positionierung der Oppenheimer Weinberge an der Abbruchkante des Rheingrabens und in unmittelbarer Flussnähe garantiert ideale Voraussetzungen für den Qualitätsweinbau. Auf kleinstem Raum finden sich hier abwechslungsreiche Bodenformationen und unzählige Kleinklimaten in einem perfekt geneigten Hang.

Carl Koch ist ein alteingesessenes Weingut unter neuer Führung, das bereits Anfang 2011 unsere Aufmerksamkeit erweckte. Im schwierigen Jahrgang 2010 entstanden hier unverwechselbar direkte, kantige und  ungeschönte Weine. Kein Versuch wurde unternommen, sie zu glätten oder zu „entschärfen“. Stattdessen griff man die Besonderheiten dieses Jahrgangs auf und ließ sie zu einem Teil des Charakters der Weine werden. Wie erfrischend anders! 

2010 war der Premierenjahrgang von Kellermeister Heiner Maleton bei Carl Koch. Der ursprünglich aus der Pfalz stammende Hobby-Surfer schafft es seither Jahr für Jahr, nicht nur die Qualität der hier erzeugten Weine um ein Vielfaches zu steigern, sondern im schläfrigen Oppenheim einige der spannendsten Weine Deutschlands zu erzeugen!

Gemeinsam mit seinem einzigen Mitarbeiter Abdullah (!!) stellt sich Heiner den täglichen Herausforderungen, die so eine „Weingutsumkrempelung“ mit sich bringt. Ein Weg, den er konsequent und mit der nötigen Experimentierfreude beschreitet. So wurden zuallererst Weinseelenräuber, wie ein alter Cross-Flow-Filter oder ein Separator aus den Koch’schen Kellern verbannt. Gleiches gilt für die alten 5000L Tanks aus Edelstahl sowie die antiken GFK-Tanks aus den 70ern. Stattdessen hielten neue Halbstück- (600L) und Stückfässer (1200L) aus dem Hause Stockinger Einzug.

Im 2012er Jahrgang unterzog Maleton zwei seiner Weine außerdem erstmals der macération semi-carbonique, einer in Deutschland bis dahin kaum verbreiteten Gärmethode. Dabei wird ein Teil der Trauben entrappt, aufgebrochen und eingemaischt, sodass eine reguläre Gärung eintritt. Die übrigen Trauben werden komplett intakt zu der gärenden Maische hinzugegeben. Die bei der Gärung entstehende Kohlensäure verdrängt den Sauerstoff nach oben aus dem Tank und schützt die intakten Trauben vor dem Einfluss des Sauerstoffs. Eine enzymatisch bedingte interzelluläre Gärung setzt schließlich innerhalb der intakten Beeren und ohne den Einfluss von Hefen ein und sorgt für die besondere Farbintensität des Weins und dessen feinduftig-saftige Aromatik.

Auch im Weinberg schlug das Weingut Carl Koch seither einen nachhaltigeren Weg ein. Die Weinberge wurden getreu der lutte raisonnée (bedachter und äußerst zurückhaltender Einsatz von chemischen Hilfsmitteln nur bei absoluter Notwendigkeit) bewirtschaftet. Mit dem 2013er Jahrgang erfolgte die BIO-Zertifizierung des Weinguts.

Das Weingut Bürgermeister Carl Koch liegt nahe der Oppenheimer Altstadt, in unmittelbarer Nähe zu der wohl berühmtesten Lage des Ortes, dem Oppenheimer Sackträger. Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Unternehmer Friedrich Koch auf dem seit Generationen im Familienbesitz befindlichen Gutshof die erste Chinin Fabrik der Welt gegründet. Unter der Leitung seines Sohnes Carl entwickelte sich das Familienunternehmen Schritt für Schritt zum Weltmarktführer seiner Zeit. 1888, als der weltweite Konkurrenzdruck in der Chinin-Produktion immer stärker wurde, verkaufte der spätere Bürgermeister der Stadt Oppenheim das gesamte Interieur der Fabrik, um sich voll und ganz auf seine Leidenschaft, den Weinbau, zu konzentrierten.

Rund 12 ha stehen für Carl Koch rund um Oppenheim unter Reben. Obwohl man sich hier in unmittelbarer Nähe zum berühmten „Roten Hang“ zwischen Nackenheim und Nierstein mit seinen roten Tonschieferböden befindet, warten die Oppenheimer Lagen eher mit den Rheinhessen-typischen Lössauflagen auf. Die Besonderheit liegt hier jedoch in der Zusammenstellung der unteren Bodenschichten aus Gehängelehm und Kalkmergel, die hier in besonders konzentrierter Form auftreten. Die Neigung des Hanges ist hier auch nicht ganz so steil wie im nördlich angrenzenden Bereich des „Roten Hangs“. Die Temperaturen können hier in den einzelnen Mikroklimaten hingegen deutlich höher ausfallen.

Seit 2012 füllt das Weingut Carl Koch unter Leitung von Heiner Maleton jedes Jahr exklusiv für Cool Climate eine Reihe naturbelassener Weine ab.