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Weingut Martin Müllen

Die Weine von Martin Müllen sind unverwechselbar. Der in Traben-Trarbach ansässige Winzer produziert einige der spannendsten und größten Rieslinge der Mosel. Gemeinsam mit seiner Frau Susanne feilt er seit 1991 kontinuierlich und mit großer Akribie an der Umsetzung seiner persönlichen Weinphilosophie. Seit ein paar Jahren ist auch Sohn Jonas ein integraler Bestandteil des Weinguts. Im Vordergrund steht bei den Müllens die Erzeugung unverfälschter Lagenweine. Sie sollen die jeweiligen Begebenheiten der einzelnen Parzellen möglichst präzise wiederspiegeln. Gleichzeitig verschreibt man sich der Achtung althergebrachter regionaler Weinbautraditionen. Diese zeichnen sich wesentlich für den Stil und die Beschaffenheit der Müllen-Weine verantwortlich. 

Das Weingut verfügt über ein einzigartiges Lagenportfolio. Prunkstück der insgesamt 4,7 ha Rebfläche ist der im Kautenbachtal, einem südlich von Trarbach gelegenem Seitental der Mosel, befindliche Trarbacher Hühnerberg. Die persönliche Geschichte Martin Müllens ist eng mit diesem Weinberg verbunden. Über Jahre hinweg hatte er sich intensiv um den Erwerb einiger Parzellen im Hühnerberg bemüht. Lange Zeit jedoch vergebens. Obwohl ein Großteil des Wingerts nicht mehr bewirtschaftet wurde, waren seine Besitzer einfach nicht bereit zu verkaufen. Als man schließlich doch mit einem Übergabeangebot an Martin Müllen herantrat, reagierte dieser sofort und ohne zu zögern.

Auf die Übernahme folgte ein wahrer Kraftakt. Müllen hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die untersten beiden Terrassen, die Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt wurden und teilweise über 100 Jahre alte, wurzelechte Rieslingreben beherbergen, persönlich zu rekultivieren. Die seit rund einem Jahrzehnt sich selbst überlassenen Reben waren größtenteils von Brombeersträuchern und anderen Rankengewächsen überwuchert. Müllen legte persönlich jede einzelne von ihnen frei und überführte sie wieder in die an der Mosel traditionelle Pfahlerziehung. Insgesamt konnten auf diese Weise 70% des ursprünglichen Rebbestandes gerettet werden. 

Ein enormer Aufwand, der sich definitiv gelohnt hat! So wurde schnell klar, dass der Hühnerberg nicht umsonst bereits in der Moselweinkarte von 1897 als Weinberg der höchsten Kategorie hervorgehoben wurde. Zwar kann die extrem steile Lage nur per Hand bewirtschaftet werden. Ihre perfekte Süd-Südwestausrichtung, ihr idealer Neigungswinkel und ihre Amphitheater-Form schaffen jedoch perfekte weinbauliche Voraussetzungen. Die oberen Bodenschichten des Hühnerbergs aus blauem und grauem Schiefer sind stark verwittert, so dass die Wurzeln der Reben schnell und problemlos in tiefere Bodenschichten vordringen können. Gleichzeitig sorgen zahlreiche natürliche Quellen im Weinberg für eine kontinuierliche Wasserversorgung. Die humusreiche Bodenauflage sorgt für eine gute Nährstoffversorgung und fördert gleichzeitig den üppigen Bodenbewuchs und damit eine natürliche Nährstoffkonkurrenz, die Müllen nicht unterbindet. Abgesehen vom Hühnerberg bewirtschaften die Müllens Parzellen in den Lagen Kröver Paradies, Kröver Letterlay, Kröver Kirchlay, Kröver Steffensberg, Trabener Königsberg und Trabener Würzgarten. 

Neben der Arbeit in den eigenen Weinbergen machen sie sich zudem, gemeinsam mit einigen namhaften Winzern aus der Region (darunter das Weingut Melsheimer, Daniel Vollenweider und das Weingut Weiser-Künstler), für den Erhalt alter traditionsreicher Steillagen stark. Entlang der Mosel werden meist aus ökonomischen Gründen immer mehr Steillagen aufgegeben. Die 9 Mitgliedsbetriebe des „Klitzkleinen Rings“ haben sich dem Schutz und der Rettung dieser Lagen verschrieben. Unter dem Label „Bergrettung“ erzeugen sie in diesen Parzellen hochwertige Moselrieslinge. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Weine fließt größtenteils in die Instandhaltung der jeweiligen Lagen. 

Im Keller erweist sich Martin Müllen zwar als interventionsscheu, überlässt jedoch absolut nichts dem Zufall. Bereits beim Pressen der Trauben geht er äußerst bedacht vor. Gekeltert wird mit einer über 100 Jahre alten, traditionellen Korbkelter. Da sich bestimmte Traubeninhaltsstoffe erst nach 6-8 Stunden aus den Schalen lösen, dauert der Kelterprozess im Hause Müllen ungewöhnlich lange an (bis zu 20 Stunden!).

Der Most wird anschließend mittels wilder Hefen spontan in traditionellen Fuderfässern vergoren (ovale Eichenholzfässer mit 1000L Fassungsvermögen). Während des Gärverlaufs greift Martin Müllen nicht ein („Wenn meine Weine trocken werden, dann ist das so. Wenn nicht, dann nicht!“). Insbesondere Müllens edelsüße Weine können mit Fug und Recht als „Langgärer“ bezeichnet werden. 16 Monate Gärzeit sind hier keine Seltenheit! Nach Abschluss der alkoholischen Gärung baut er seine Weine lange auf der Feinhefe aus. Eine eventuelle malolaktische Gärung wird nicht unterbunden. Vor der Abfüllung filtriert Müllen nur minimal. 

Bereits knapp über ein Jahr ist es her, dass ich die Gelegenheit hatte, das Weingut Müllen zu besuchen. Aus dem ursprünglich geplanten 1-stündigen Termin wurde schnell eine abendfüllende Verkostungssession unter der Führung  von Martin Müllen. Insbesondere die Geschichte des Hühnerbergs beeindruckte dabei nachhaltig. Der Winzer war begeistert von der Qualität und Harmonie des 2011er Jahrgangs. Vor allem die edelsüßen Weine seien „so gut wie noch nie“. Dennoch konnte sich Martin Müllen auch 2011 nicht dazu durchringen, einem seiner Weine 3 Sterne (0 bis 3 Sterne sind weingutsinternen Qualitätsstufen) zu verleihen!