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Domaine Labet

Alain Labet hat die Weißweine des Jura revolutioniert. Nicht nur war er in den 1970er Jahren einer der ersten Winzer in der Region, der konsequent auf biologischen Weinbau umstellte, er wagte es darüber hinaus auch, ungewöhnliche Schritte im Keller zu unternehmen. So brachte er 1992 als erster Jura-Winzer ein komplettes Portfolio an nicht-oxidativen Weinen in ouillé-Stil auf den Markt. Eine Maßnahme, die aus heutiger Sicht dem Jura-Wein ganz neue Dimensionen eröffnete.

Das Weingut der Familie Labet liegt in Rotalier, einem kleinen Örtchen an den Hängen des Première Plateau im südlichen Bereich des Jura, unweit von Lons-le-Saunier. 2013 übernahmen Alains Kinder Charline, Julien und Romain den Betrieb. Seither befindet sich das Weingut bereits in vierter Generation in Familienbesitz.

Julien ist studierter Önologe. Nach Praktika bei der Domaine Ramonet im Burgund und in Südafrika kehrte er 1997 ins heimische Jura zurück. Zunächst ging er seinem Vater im Keller zur Hand, bevor er von einem benachbarten Winzer drei Hektar Rebfläche übernahm. Von Beginn an verfolgte Julien eine Strategie des streng naturnahen Weinbaus. Mit der Übernahme des Familienweinguts durch die drei Geschwister gingen Juliens Weinberge in den gemeinsamen Besitz über. Sofort begannen die drei, Schritte hin zu einer Bio-Zertifizierung der übrigen 10 ha zu unternehmen. Der überwiegende Anteil der Produktion der Domaine Labet besteht aus Weißweinen. Lediglich zwei Hektar der Gesamtrebfläche sind mit roten Rebsorten bestockt. 

Julien ist heute Hauptverantwortlicher für den Keller der Domaine. Sein Bruder Romain kümmert sich um die Weingärten. Charline wiederum ist ebenfalls studierte Önologin und geht ihren beiden Brüdern zur Hand.

Ähnlich wie Nachbar Fan-Fan Ganevat produzieren auch die Labets eine relativ große Menge an Cuvées. Damit beabsichtigen sie, ihre vielseitigen Terroirs möglichst präzise widerzuspiegeln. Abhängig von den Begebenheiten des jeweiligen Jahrgangs entstehen so jährlich bis zu 30 verschiedene Weine. Neben den traditionellen Weinen, die stilistisch an die Weine des Vaters Alain angelehnt ist, produzieren sie mit ihrer nature-Linie eine Reihe an Weinen mit möglichst geringen Mengen an zugesetztem SO2.

Beinahe sämtliche Reben in den Weingärten der Domaine (mit Ausnahme einer kleinen Parzelle Pinot Noir) stammen aus einer selection massale. Einige von ihnen sind weit über 60 Jahre alt. Auf chemische und synthetische Hilfsmittel verzichten die Labets in ihren Weingärten grundsätzlich. Die Düngung der Böden erfolgt mit natürlichem Kompost. Zum Schutz der Pflanzen werden ausschließlich natürliche Pflanzenauszüge sowie – in Ausnahmefällen – Kupfersulfit (die so genannte „Bordeaux-Brühe“) eingesetzt.

Ähnlich wie die Arbeit im Weinberg erfolgt auch die Lese der Trauben ausschließlich per Hand. Generell fährt die Domaine Labet mit 10-15 hl/ha einen extrem niedrigen Hekatrertrag ein. Entsprechend konzentrierte Moste und Weine sind die Folge. Vor dem Pressen der Trauben erfolgt eine strenge Selektion, bei der qualitativ minderwertige Trauben konsequent aussortiert werden. Nach der schonenden Pressung der Trauben in einer Korbkelter bleibt der Most über 12 Stunden unangetastet. Auf diese Weise können sich die darin enthaltenen Trubstoffe auf natürliche Art und Weise am Boden des Pressgefäßes absetzen. Anschließend setzt die Fermentation durch natürliche Hefen ein. Diese erfolgt in gebrauchten Fuderfässern in einem Keller, der konstant auf knapp unter 20°C temperiert ist. Nach Abschluss der Gärung durchlaufen sämtliche Labet-Weine den biologischen Säureabbau. Die Weißweine werden in der Regel über 18 Monate in großen gebrauchten Holzfässern ausgebaut. 

Während der gesamten Zeit im Keller werden die Weine nur mittels der Gravitation bewegt. Pumpen kommen generell nicht zum Einsatz. Je nach Bedarf setzt Julien den Weinen vor der Bewegung eine kleine Menge an CO2 zugesetzt, um diese vor übermäßiger Oxidation zu schützen.

Sämtliche nicht-oxidativ erzeugte Weine mit der Bezeichnung „Fleurs“ werden parzellenweise gepresst, vergoren und in 228L Pièces ausgebaut. Dies gilt auch für die Weine der nature-Linie. Für die Erzeugung der oxidativen Weine ist nach wie vor Vater Alain zuständig. Für sie werden Trauben aus verschiedenen Parzellen verschnitten. Nach der manuellen Lese gären sämtliche Moste spontan. Anschließend wandern sie zunächst in alte Fuderfässer, bevor sie nach 6-8 Monaten in gebrauchte Pièces kommen, wo sie ihren Reifeprozess unter dem Hefeflor abschließen.

Heute gehören insbesondere die Weißweine der Domaine Labet zu dem Besten, was das Jura zu bieten hat. Sie stehen den Weinen der berühmten Nachbarn und Vorbilder Jean-François Ganevat und Emmanuel Houillon in nichts nach. Auf ihre Weise spiegeln sie die spannenden Terroirs rund um Rotalier präzise und ausdrucksstark wider. Labet-Weine sind rar und heute weltweit gesucht. Das gilt insbesondere für Juliens naturnah produzierte Weißweine.